27.07.2014

BAföG-FAQ
Auslands-BAföG für ein Studium [Seite 1]

für Studierende an Hochschulen, Höheren Fachschulen und Akademien

Von Nicola Pridik


Das Wichtigste in Kürze ...
  • Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf Studierende, die ihren ständigen Wohnsitz in Deutschland haben (siehe aber Punkt 8.), d.h. vor dem Auslandsstudium in Deutschland gelebt haben und nur zum Studium ins Ausland gehen.
  • Wer dem Grunde nach einen BAföG-Anspruch im Inland hat, kann in der Regel auch im Ausland gefördert werden.
  • Auch wer im Inland nur deshalb kein BAföG erhält, weil seine Eltern zu viel verdienen, sollte es auf jeden Fall mit einem Antrag auf Auslandsförderung versuchen, weil die Förderbeträge höher sind als im Inland. (Trotz Einkommensanrechnung könnte ein Förderbetrag verbleiben.)
  • Die Förderung kann außerhalb der EU und der Schweiz im Regelfall für maximal ein Jahr erfolgen und kommt nur dann in Betracht, wenn der Auslandsaufenthalt Eurer „eigentlichen“ Ausbildung förderlich ist. Eine längere Förderung ist hier nur im Ausnahmefall möglich.
  • Bei einer Ausbildung in Mitgliedstaaten der EU und in der Schweiz ist die Förderung bereits vom ersten Semester an und/oder bis zum Abschluss der Ausbildung möglich. Einschränkungen gelten lediglich für Studierende, die vor dem Auslandsaufenthalt keine drei Jahre im Inland gelebt haben sowie für bestimmte Gruppen ausländischer Studierender.
  • Der Inlandsbedarf wird im Ausland um zusätzliche Beträge aufgestockt, z.B. gibt es Zuschläge zu notwendigen Studiengebühren und Reisekosten. Wer außerhalb der EU und der Schweiz studiert, kann unter Umständen einen Auslandszuschlag erhalten, dessen Höhe vom gewählten Land abhängig ist.
  • Die auslandsbedingten Zuschläge werden – wie die sonstige BAföG-Förderung auch – zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als Staatsdarlehen geleistet. Lediglich die notwendigen Studiengebühren gibt es als Vollzuschuss, allerdings maximal für ein Jahr.
  • Auch ein mindestens zwölfwöchiges Pflichtpraktikum innerhalb oder außerhalb Europas kann gefördert werden.
  • Der Antrag auf Auslands-BAföG sollte sechs Monate vor Beginn der Auslandszeit beim Auslands-BAföG-Amt gestellt werden. Dessen Zuständigkeit ist bundesweit zentral geregelt und richtet sich nach dem Land, in das die Reise gehen soll.
  • Wer kein Auslands-BAföG erhalten kann, weil die Voraussetzungen für eine Förderung im Ausland nicht erfüllt sind, kann ggf. für bis zu zwölf Monate Inlands-BAföG erhalten, wenn er im Ausland eine Bildungseinrichtung oder einen Betrieb besucht, um dort seine Abschlussarbeit für sein Studium im Inland zu schreiben.
... mit der dringenden Empfehlung, auch die folgenden Details zu lesen!
Unter Berücksichtigung der BAföG-Verwaltungsvorschrift 2013 und des EuGH-Urteils zu Auslandsdeutschen

1. Voraussetzungen für die Förderung im Ausland

Wer im Inland BAföG bekommt bzw. dem Grunde nach einen BAföG-Anspruch hat, kann wahrscheinlich auch im Ausland mit einer Förderung rechnen. Wer dagegen aus der Förderung dem Grunde nach herausgefallen ist, z.B. wegen eines zu späten Fachrichtungswechsels, erhält – natürlich – auch im Ausland kein Geld vom Staat. Zahlt Euch das BAföG-Amt nur deshalb im Inland kein BAföG, weil Eure Eltern zu viel verdienen, so kann sich ein Antrag auf Auslands-BAföG dennoch lohnen. Die Förderbeträge sind nämlich höher als im Inland, sodass es durchaus sein kann, dass bei der Einkommensanrechnung auf den Bedarf ein Förderbetrag für Euch übrig bleibt.

Folgende Voraussetzungen müssen speziell für eine Auslandsförderung erfüllt sein:
  1. Ihr müsst Euren ständigen Wohnsitz im Inland haben. (Siehe aber Punkt 8.!)
  2. Die Anforderungen an die Ausbildung im Ausland müssen erfüllt sein.
  3. Die Ausbildung muss eine bestimmte Mindestdauer haben.
Ein Nachweis von Sprachkenntnissen ist seit Oktober 2010 nicht mehr erforderlich.

Achtung: Erfüllt Ihr nicht alle Voraussetzungen für eine Auslandsförderung, so bekommt Ihr im Ausland gar kein BAföG, auch wenn Ihr im Inland welches bekommen könntet. Die Auslandsförderung funktioniert also nach dem Prinzip „Ganz oder gar nicht“. Die Möglichkeit, im Ausland die Sparvariante mit „Inlands-BAföG“ zu fahren, kommt nicht in Betracht. Allerdings gibt es mit der neuen VwV 5.2.4 nunmehr eine Ausnahme von dieser Regel für den Fall, dass Ihr im Ausland Eure Abschlussarbeit schreibt. Mehr dazu unter Punkt 2.

Die Voraussetzungen im Einzelnen:

a. Ständiger Wohnsitz im Inland (§ 5 Abs. 1 BAföG)

Selbst in dem Fall, dass Ihr mehrere Jahre im Ausland studieren wollt, ist und bleibt Euer ständiger Wohnsitz in aller Regel im Inland. Denn wer sich lediglich zum Zwecke der Ausbildung im Ausland aufhält, macht den Ort des Aufenthaltes noch nicht zu seinem Lebensmittelpunkt (vgl. § 5 Abs. 1 BAföG). Auf den Willen zur ständigen Niederlassung kommt es dabei nicht an. Euer BAföG-Anspruch gerät also auch dann nicht in Gefahr, wenn Ihr überlegt, im Anschluss an das Studium dauerhaft im Ausland zu leben.

Das Erfordernis des ständigen Wohnsitzes im Inland schließt Deutsche mit ständigem Wohnsitz im Ausland vom BAföG-Bezug im Ausland aus (Ausnahmen gibt es nach § 6 BAföG nur im Ausnahmefall, mehr dazu unter Punkt 8.). Gleich zwei Verwaltungsgerichte (Hannover und Münster) hatten Zweifel, ob diese Regelung mit EU-Recht vereinbar ist. In der einen Sache (Hannover) hat zwischenzeitlich der Europäische Gerichtshof entschieden und die Zweifel bestätigt (EuGH, Urteil vom 24.10.2013, Az. C-220/12). Im Kern es geht darum, dass die o. g. Regelung mit dem Freizügigkeitsrecht von deutschen Unionsbürgern unvereinbar ist, die ihren Wohnsitz außerhalb Deutschlands haben und ihre Ausbildung in einem anderen EU-Staat als Deutschland aufnehmen oder fortsetzen wollen. Der deutsche Gesetzgeber wird in den §§ 5 und 6 BAföG in Bezug auf die Wohnsitzfrage also nachbessern müssen.

Zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts Münster (vgl. dazu Urteil vom 12.1.2010, Az. 6 K 2465/08) gibt es den gesonderten Artikel Auslandsdeutsche können auf BAföG hoffen.

Die Förderung einer vollständigen Ausbildung im EU-Ausland oder der Schweiz ist immer nur dann möglich, wenn Ihr vor Beginn des Auslandsstudiums mindestens drei Jahre in Deutschland gelebt habt. Mehr dazu sogleich unter b, Fallgruppe 3)

b. Anforderungen an die Ausbildung im Ausland (§ 5 Abs. 2 und 4 BAföG)

Eine Förderung ist nur möglich, wenn die Ausbildungsstätte, die Ihr im Ausland besucht, einer Hochschule, Höheren Fachschule oder Akademie im Inland gleichwertig ist. Dies ist der Fall, wenn die Zugangsvoraussetzungen denen an der inländischen Ausbildungsstätte ebenso entsprechen wie Art, Inhalt und Abschluss der Ausbildung. Dabei geht es allein um eine allgemeine Gleichwertigkeit der Ausbildungsstätte und der Ausbildung, die dort angeboten wird („institutionelle Gleichwertigkeit“), und nicht etwa um Euren konkreten Studiengang oder einzelne besuchte Lehrveranstaltungen. Es ist deshalb durchaus möglich, sich im Rahmen eines Masterstudiengangs in Deutschland an einer ausländischen Hochschule zu immatrikulieren, um dort in einem Bachelorstudiengang Leistungen zu erbringen (vgl. dazu VwV 5.4.1 und die Pressemitteilung zum Urteil des BVerwG vom 12. Juli 2012 - Az. 5 C 14.11; hier war eine Studentin in Deutschland im Masterstudiengang Konferenzdolmetschen eingeschrieben und studierte im Rahmen dieses Studiengangs für drei Monate an einer schottischen Universität im Bachelorstudiengang Übersetzen/Dolmetschen).

Problemlos angenommen werden kann die Gleichwertigkeit, wenn die Ausbildung an der Ausbildungsstätte in ein Stipendien- oder Austauschprogramm des DAAD einbezogen ist (Ausnahme: Sprachausbildungen). Geprüft wird die Gleichwertigkeit von Amts wegen im Rahmen des Bewilligungsverfahrens.

Ob neben der Gleichwertigkeit der Ausbildungsstätte weitere Voraussetzungen erfüllt sein müssen, richtet sich danach, welche der folgenden drei Fallgruppen von Auslandsausbildungen vorliegt.

Fallgruppe 1: Ergänzende Auslandsausbildung (der „Klassiker“)

Diese Fallgruppe umfasst all diejenigen, die
  • Im Inland studieren und sich für einen vorübergehenden Studienaufenthalt im Ausland entscheiden oder
  • sich bereits nach Fallgruppe 3 im EU-Ausland oder der Schweiz befinden und von dort aus vorübergehend außerhalb der EU/Schweiz studieren wollen.
Zunächst: Wer vorübergehend in einem anderen Staat der EU oder in der Schweiz studieren will, muss keine weiteren Voraussetzungen erfüllen.

Die Förderung eines Auslandsaufenthalts außerhalb der EU/Schweiz setzt dagegen voraus, dass folgende zwei Voraussetzungen erfüllt sind:

Erstens muss die Auslandsausbildung Eurer eigentlichen Ausbildung im Inland, im EU-Ausland oder der Schweiz förderlich sein. Das ist der Fall, wenn einer der folgenden Punkte erfüllt ist:
  • Ihr habt ein Jahr in der gewählten Fachrichtung im Inland studiert, bevor Ihr ins Ausland geht.
  • Eure Ausbildungsbestimmungen schreiben den Auslandsaufenthalt schon zu einem früheren Zeitpunkt vor.
  • Ihr nehmt ein Masterstudium außerhalb der EU oder der Schweiz auf, welches Ihr im Inland, im EU-Ausland oder in der Schweiz abschließen wollt, und habt ein Jahr des zuvor abgeschlossenen Bachelorstudiengangs im Inland, innerhalb der EU oder in der Schweiz absolviert (VwV 5.2.7).
  • Ihr habt ein Jahr in der gewählten Fachrichtung im EU-Ausland oder in der Schweiz studiert (Auslandsaufenthalt nach Fallgruppe 3), bevor Ihr von dort aus vorübergehend in einen Staat außerhalb der EU oder Schweiz geht, um dort zu studieren.
  • Eure Hochschule bestätigt die Förderlichkeit besonders.
Die einjährige Ausbildung vor dem Auslandsaufenthalt kann auch in Teilzeit absolviert worden sein (VwV 5.2.5).

Zweitens muss zumindest ein Teil der Auslandsausbildung auf die vorgeschriebene oder übliche Ausbildungszeit Eurer eigentlichen Ausbildung im Inland, EU-Ausland oder der Schweiz angerechnet werden können. Dass dies möglich ist, wird von den BAföG-Ämtern grundsätzlich angenommen (vgl. VwV 5.2.9).

Fallgruppe 2: Integrierte Studiengänge

Integrierte Studiengänge zeichnen sich dadurch aus, dass eine inländische und eine ausländische Ausbildungsstätte gemeinsam eine einheitliche Ausbildung anbieten, die so angelegt ist, dass Teile der Ausbildung nach dem regulären Ausbildungsplan im Inland und Teile im Ausland absolviert werden. Bei integrierten Studiengängen ist die Auslandsausbildung selbst dann förderungsfähig, wenn die Ausbildung im Ausland beginnt.

Fallgruppe 3: (Vollständige) Ausbildung innerhalb der EU/Schweiz

Ihr studiert vom ersten Semester an und/oder bis zum Studienabschluss in einem oder mehreren (VwV 5.2.18) EU-Staaten oder der Schweiz, wobei Ihr Euer bisheriges Studium stets fortsetzt, also in der gleichen Fachrichtung studiert. Bei dieser Fallgruppe gibt es eine weitere Förderungsvoraussetzung für all diejenigen, die länger als ein Jahr im Ausland gefördert werden wollen: Sie müssen vor Beginn des Auslandsstudiums mindestens drei Jahre ihren ständigen Wohnsitz im Inland gehabt haben (§ 16 Abs. 3 BAföG).

Hinweis: Nach einem Urteil des EuGH widerspricht die Regelung mit den drei Jahren der Freizügigkeit von EU-BürgerInnen. Details findet Ihr im Artikel Regeln für Auslands-BAföG müssen sich ändern.

Bestimmte Gruppen ausländischer Studierender mit ständigen Wohnsitz in Deutschland profitieren nur unter bestimmten Voraussetzungen von Fallgruppe 3. Mehr dazu unter Punkt 7.

c. Mindestdauer der Ausbildung (§ 5 Abs. 2 Satz 3 BAföG)

Eine BAföG-Förderung im Ausland kommt nur in Betracht, wenn Ihr mindestens sechs Monate oder ein Semester ins Ausland geht. Statt des einen Semesters können es auch zwei Quarters oder ein Trimester sein, sofern die Dauer der Vorlesungszeit der eines Semesters entspricht (VwV 5.2.9a).

Findet die Auslandsausbildung im Rahmen einer mit der besuchten Ausbildungsstätte vereinbarten Kooperation statt, muss sie mindestens zwölf Wochen dauern. Achtung: Eine Kooperationsvereinbarung wird nur dann anerkannt, wenn sie in schriftlicher Form geschlossen wurde oder bereits seit mehreren Jahren praktiziert wird.





Noch Fragen?

Schaut in unser BAföG-Forum, vielleicht wurden eure Fragen schon von anderen gestellt und beantwortet. Bei Bedarf könnt ihr auch eigene Beiträge verfassen und euer Problem schildern.

Ergänzende Info: Übersichtsartikel „Finanzierung des Auslandsstudiums“




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