Ein Anbieter zahlungsunfähig
Studien+Bildungsfonds in der Krise?

Kein Geld mehr für (neue) Studien- bzw. Bildungsfonds?
Der eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter hat offenbar trotzdem Hoffnung, mit schon beteiligten Investoren (und möglichen neuen) das Geschäft in einer neuen Gesellschaft fortführen zu können. Ob das gelingt, muss abgewartet werden.
Bildung als Invesition
Die Idee hinter den Bildungs+Studienfonds (neben Deutsche Bildung vermittelt noch Career Concept welche) ist es ja letztlich, dass der Investor Geld zur Verfügung stellt, was den Lebensunterhalt (inklusive nötiger Studiengebühren) von Studierenden deckt (zum Teil oder ganz). Die Studierenden verpflichten sich dafür, nach dem Studium einen prozentualen Teil des Gehalts zurückzuzahlen. Je höher die spätere Bezahlung, desto besser für den Investor. Beim "Studienfonds I" werden rund 450 Studierende finanziert. Als Rendite werden den Investoren Gewinne im Bereich von 6% jährlich in Aussicht gestellt.
Es geht letztlich also wie immer vor allem um Rendite, ein wenig kaschiert durch die "fairen, sozialen Konditionen" für die Geförderten. Was allerdings auch ein durchaus relativer Begriff ist. Wer beispielsweise - aus welchen Gründen auch immer - das durch den Fonds mitfinanzierte Studium abbricht, für den wandelt sich beispielsweise das ganze in einen verzinsten Kredit um. Und jedeR StudentIn wird sowieso nicht genommen von den Fonds – die Chancen auf Rendite sollen ja gegeben sein.
Konzept in Deutschland nur zum Teil erfolgreich
Insgesamt scheint das Konzept der Fonds in Deutschland nur zum Teil erfolgreich zu sein. Das zeigt schon die aktuelle Insolvenz, auch wenn noch die Chance besteht, dass der Anbieter doch weitermachen kann.
Die Frage ist insgesamt, wie stark der Bedarf nach derartigen Fonds in Deutschland sein kann: An staatlichen Hochschulen gibt es in den meisten Bundesländern gar keine allgemeinen Studiengebühren, in den restlichen höchstens 500 Euro im Semester. Auch wenn das eine Erschwernis ist: Im Vergleich zu den Lebenshaltungskosten sind diese Zusatzkosten doch überschaubar, für sie allein gibt es auch die - je nach Bundesland - verhältnismäßig günstige Möglichkeit eines Studienbeitragsdarlehens.
Für die Lebenshaltungskosten an sich sind in Deutschland traditionell Eltern (Unterhalt), BAföG und Jobben die Quellen, um die Kosten zu decken. Studienkredite oder eben Bildungsfonds bleiben vor allem diejenigen "übrig", die ihre Eltern nicht (oder nicht so stark) belangen wollen, obwohl diese (gesetzlich gesehen, was subjektiv ganz anders empfunden werden kann) genug Geld hätten. Oder bei denen, die (späte) Studienfachwechsel oder -abbrüche hinter sich haben. Letztere werden allerdings auch nur schwer einen Kredit oder Geld aus einem Bildungsfonds bekommen.
Erst bei höheren Studiengebühren – wie an Privathochschulen (oder in anderen Staaten) – ist der Bedarf nach zusätzlicher Finanzierung größer. Möglicherweise hatten die Anbieter auch in Deutschland darauf gehofft. Da eine Steigerung der Studiengebühren an staatlichen Hochschulen so schnell aber nicht zu erwarten ist und nun mit der Finanzkrise Investoren insgesamt vorsichtiger geworden sind, fehlt es zumindest einem Vermittler an zu vermittelndem Geld ...
Es ist zur Zeit also nicht unbedingt die beste Idee, viel Zeit in eine Bewerbung beim insolventen Vermittler Deutsche Bildung zu investieren, solange nicht klar ist, ob er sich doch berappelt. Der Mitbewerber CareerConcept kann dagegen nach eigenen Angaben noch genügend Kapital vermitteln, um weitere Studierende aller Fachrichtungen und Hochschularten zu finanzieren. Es gibt allerdings mehr BewerberInnen als aufgenommen werden können. Was ja im Sinne der Investoren ist: So können die "besten" Studierenden ausgesucht werden, die die beste Rendite versprechen.
Hintergründe und weitere Informationen
- Deutsche Bildung: Studienfonds-Anbieter zahlungsunfähig (FAZ, 27.05.2009) »
- Deutsche Bildung (für Studierende) »
- Deutsche Bildung (für Anleger) »
- Infos zu Studienkrediten, Studien- und Bildungsfonds bei Studis Online »
- Infos zur Studienfinanzierung allgemein bei Studis Online »
Studie zu studentischen Mitarbeitern
Ohne sie ginge gar nichts mehr an Deutschlands Hochschulen. Zigtausende studentische Hilfskräfte und Beschäftigte halten den Laden am Laufen, während die Mittel für Forschung und Wissenschaft immer knapper werden. Eine aktuelle Studie zeigt jetzt erstmals auf, unter welchen Bedingungen sie das tun. Viele arbeiten zweckentfremdet, ohne Weiterbildungseffekt und für schlechtes Geld. Höchste Zeit, dass sich das ändert – fordert die Bildungsgewerkschaft GEW.
Stipendien: Engagement ist gefragt
Stipendien werden von vielen verschiedenen Organisationen, aber auch vom Bund oder einzelnen Ländern angeboten. Vielen Stipendien ist gemein, dass sie von den Geförderten besonders gute Leistungen erwarten – es gibt aber auch Ausnahmen. Von Vorteil ist es, wenn man sich zudem gesellschaftlich engagiert – aber auch das ist nicht überall Voraussetzung. Zunächst ein paar Grundlagen, bevor wir die größeren Stiftungen mit weiteren Details auflisten.
Bertelsmänner auf Beutezug
Die Bertelsmann AG steigt ins Geschäft mit der akademischen Bildung ein. Den Anfang macht Europas größter Medienkonzern als Ankerinvestor eines "University Ventures Fund", der mit Studien- und Weiterbildungsprogrammen dies- und jenseits des Atlantik auf Profitjagd geht. Für Wolfgang Lieb ist der Schritt nur folgerichtig. Im Gespräch mit Studis Online schildert der ehemalige Politiker, wie das Gütersloher Unternehmen in langjähriger politischer Vorfeldarbeit den Boden bereitet hat, auf dem er jetzt die Ernte einfahren will.
Diese Seite verlinken »



![[M] Studis Online mit einem Bild von Udo Kroener - fotolia.com BAföG-Rechner](http://www.studis-online.de/Bilder/bafoegrechner312x110.jpg)

