23.06.2007

Stipendien
"Nicht Lösung, sondern Teil des Problems"

Vor und bei Einführung von Studiengebühren hatte die Politik ein umfassendes Stipendiensystem versprochen. Dieses gibt es bis heute nicht: Geschätzte 40.000 der zwei Millionen Studierenden erhalten ein Stipendium, wahrscheinlich weniger als die Hälfte hiervon ein BAföG-adäquates. Ein großer Teil der wenigen Geförderten stammt dabei aus Familien mit hoher Einkommenssituation. Grund genug für unseren stipendiatischen Autor, zu argumentieren: Diese Stipendienpraxis ist anti-sozial und elitär - die Stipendiengelder wären in einer deutlichen BAföG-Erhöhung besser angelegt.

Ein Kommentar von Jens Wernicke

Vor und bei Einführung von Studiengebühren war stets der Aufbau eines "umfassenden Stipendiensystems" versprochen worden. Ein solches gibt es bis heute nicht. Von den 2 Millionen Studierenden will Annette Schavan zukünftig maximal einen Prozent, entsprechend etwa 20.000, mit öffentlichen Studienstipendien fördern lassen.

Das Deutsche Studentenwerk, das sich für die sozialen Belange der Studierenden einsetzt, hatte diese Stagnation bezüglich der Entwicklung eines Stipendiensystems bereits im letzten Jahr einen "Skandal" genannt.

Und um einen solchen handelt es sich auch. Allerdings noch in einer weiteren Hinsicht: Nicht nur, dass die Politik nicht einlöste, was sie versprach. Vielmehr verschärfen Stipendien in der Regel die soziale Ungleichheit und bauen sie nicht etwa ab (vgl. hierzu insbesondere auch die Ergebnisse der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks).

Denn sie sind nur für eine nach politisch bestimmten Kriterien definierte Minderheit gedacht und daher stets selektiv. Selbst sollte, was kaum je der Fall ist, das angelegte Vergabekriterium jenes der finanziellen Bedürftigkeit respektive des Nachteilsausgleiches sein, lassen Stipendien bei gleichzeitigem Rückzug des Staates aus der Bildungsfinanzierung die Bedürftigkeit der nicht geförderten Mehrheit außer Acht. Einer Mehrheit, deren Lebenshaltungskosten steigen und auf deren private Schultern der Staat (unter anderem mittels Studiengebühren) momentan mehr und mehr die Kosten ihrer Bildungsbeteiligung umlegt.

Dass das Vergabekriterium jedoch in aller Regel nicht jenes der "Bedürftigkeit" ist, hat unlängst auch eine Studie belegt. Tatsächlich steigt mit höherer sozialer Herkunft auch der Anteil der Studierenden, die ein Stipendium erhalten, an. Unter den Befragten (deutsche Universitätsstudierende ab dem 5. Fachsemester) beträgt der Anteil der Geförderten aus der Arbeiterschaft nur 2,1, bei der Grundschicht nur 2,6 Prozent. "Bei Studierenden aus der höheren Dienstklasse steigt der Anteil auf 3,5%. Mit Abstand liegen Studierende aus der Akademikerschaft vorn: 5,2% erhalten ein Stipendium der [öffentlichen] Förderungswerke" (zitiert nach: Informationen und Ergebnisse aus der Konstanzer Hochschulforschung: Stipendien von Stiftungen für begabte Studierende; Dezember 2006; siehe auch folgende Tabelle).

Tabelle: Studienfinanzierung durch Stipendien der Begabtenförderung nach sozialer Herkunft der Studierenden
(Angaben in Prozent für Studierende ab 5. Fachsemester, gemittelte Werte 1997 bis 2004)
Soziale HerkunftFinanzierung durch Stipendien
Teilweise Hauptsächlich Zusammen
Arbeiterschaft1,20,92,1
Grundschicht2,10,52,6
Mittelstand1,81,23,0
Höhere Dienstklasse 2,60,93,5
Akademikerschaft4,40,85,2
Quelle: Studierendensurvey 1983-2004, AG Hochschulforschung, Universitaät Konstanz; zitiert nach obiger Quelle

Das bedeutet konkret: Die Studierenden aus wohlhabendem Elternhaus erhalten mit mehr als doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit ein Stipendium als jene, die es brauchen könnten!

Wie aber kommt es dazu? Was heißt das im Detail?

Minderheiten fördern, die Masse vernachlässigen

Es existieren momentan nur etwa 14.000 öffentliche Studienstipendien der anerkannten Förderwerke sowie geschätzte 26.000 andere Stipendien (potentiell unter anderem: Stipendien der Hochschulen, des DAAD, von Privaten etc.). Die öffentlichen Studienstipendien sind dabei etwa BAföG-adäquat, über die Höhe der anderen ist wenig bekannt - auch Einmalzahlungen oder geringe regelmäßige Bezuschussungen fallen aber in diese Kategorie. Diesen geschätzten 40.000 Stipendien stehen etwa 2 Millionen Studierende gegenüber, die wahrscheinlich in steigender Zahl mittels Studiengebühren privat zur Kasse gebeten werden.

Kein Stipendium erhalten also etwa 1,96 Millionen Studierende. Unter diesen gibt es rund 345.000 BAföG-EmpfängerInnen, die großteils nicht von den Studiengebühren ausgeschlossen werden sollen, obwohl sie sicher als bedürftig anzusehen sind. Zudem verfügt immerhin jeder und jede fünfte der 2 Millionen Studierenden momentan nur über ein Monatsbudget von unterhalb des BAföG-Höchstsatzes von 585 Euro.

Diesen Zahlen stehen rund 1,4 Millionen Studierende gegenüber, die ab dem Wintersemester 2007/2008 Studiengebühren zahlen sollen (eigene Berechnungen nach Daten des Statistischen Bundesamtes). Sowie 800.000 Studierende, für welche gemäß aktueller DSW-Sozialerhebung die Studienfinanzierung bereits jetzt unsicher ist.

Arme auch mit Stipendium arm

Für die wirklich Bedürftigen stellt ein Stipendium zudem ohnehin kaum eine Verbesserung dar: Im Gegensatz zum BAföG-Höchstsatz von 585,- Euro erhielten sie mittels Studienstipendium dann maximal 658,- (entsprechend 525 Euro Höchstbetrag plus 80 Euro Büchergeld plus 45 Euro Krankenkassenzuschuss plus 8 Euro Zuschuss für die Pflegeversicherung) sowie einen Wohngeldanspruch.

Auch mit diesen rund 600 Euro monatlich lägen sie jedoch ca. 300 Euro unter der in der EU gültigen Armutsgrenze und dürften die Probleme, bei diesem Etat 500 oder mehr Euro pro Semester an Studiengebühren abzuzweigen, behalten. Insbesondere dann, wenn sie Eltern haben, welche eben nicht in der Lage sind, sie in irgendeiner Art und Weise finanziell zu unterstützen.

Nicht zu vergessen sind zudem die Bedürftigen, die nicht einmal mehr einen BAföG-Anspruch haben. Ohne BAföG-Anspruch erhalten sie in aller Regel auch kein staatliches Stipendium mehr; allerhöchstens noch das Büchergeld.

Konservativ dominiert und alles andere als sozial

Etwa 65 Prozent aller öffentlichen Studienstipendien werden von nur 4 der staatlich anerkannten 11 Begabtenförderwerke vergeben. Diese vier Einrichtungen (Stiftung der Deutschen Wirtschaft, Konrad-Adenauer-Stiftung, Friedrich-Naumann-Stiftung, Studienstiftung des deutschen Volkes) gehören zugleich dem konservativen Spektrum der Förderwerke an, was die Auswahl der StipendiatInnen sicher mit determiniert.

Die Quote der zumindest potentiell "sozial Bedürftigen" unter den StipendiatInnen dieser vier Werke liegt bei maximal 18, die Quote derjenigen mit sehr wohlhabendem Elternhaus hingegen bei über 50 Prozent (vgl. Studis Online-Artikel "Stipendien ungleich verteilt: Arm bleibt arm und reich studiert"). Ergo: Großteils die Privilegierten profitieren erneut. Begabtenförderung ist hier überwiegend Wohlhabendenunterstützungsprogramm.

"Leistungsförderung" immer soziale Selektion

Für alle öffentlichen Stipendien ist zudem stets "überdurchschnittliche Leistung" ausschlaggebendes Vergabekriterium. Nicht einmal die "linke" Rosa-Luxemburg-Stiftung organisiert hier einen Nachteilsausgleich: auch sie wertet zuerst Leistungen und berücksichtigt dann, bei vermeintlicher "Leistungsgleichheit", soziale Benachteiligung und Kriterien.

Das Problem hieran ist: Leistungen selbst sind von der sozialen Herkunft determiniert. Ein Akademikerkind lernt aufgrund seines Herkunftsvorteiles in der Regel besser und leistet leichter mehr als ein Arbeiterkind (vgl. Studis Online-Artikel "Der Mythos von der Chancengerechtigkeit"). Stipendienvergabe nach Noten und Leistung verstärkt daher per se Bildungsungerechtigkeit und baut sie nicht ab. Dies gilt ebenso für die meisten der privatwirtschaftlichen Stipendien.

Dieser Zusammenhang (Leistung-soziale Selektion) wird auch in der bereits erwähnten Studie offenbar. Laut dieser nehmen die sozialen Unterschiede mit steigendem Notenschnitt zu: Unter der "Leistungselite" der Studierenden (Notenschnitt 1,0 bis 1,4) erhalten nur 7 Prozent der Studierenden aus Arbeiterfamilien, sehr wohl aber 14 Prozent der Studierenden mit Akademikerelternhaus ein Stipendium. Ergo: Selbst bei (vermeintlich) gleicher Leistung ist die Chance des Akademikerkindes auf ein Stipendium doppelt so hoch wie jene eines Arbeiterkindes.

Sozialstaatliche Verantwortung an Markt delegiert

Bei maximal 20.000 öffentlichen Studienstipendien (bisher 14.000) will es die deutsche Politik zukünftig dann auch belassen.

In Form einzig "freundlicher Bitten" delegiert sie die Verantwortung für die sozialen Konsequenzen der Studiengebühren und also – in ihrer Perspektive – daher Aufgabe zum Aufbau eines Stipendiensystems an Wirtschaft und Private weiter, welche hieran jedoch wenig Interesse zeigt.

Eine Suche in der Stipendiendatenbank von e-fellows.net ergibt bezüglich Stipendien der "allgemeinen Förderung", also auch für den stundentischen "Lebensunterhalt", insgesamt zweihundertundsieben fördernde Institutionen.

Kriterien für Otto-Normal-Student völlig ungeeignet

Deren Förderschwerpunkte liegen jedoch fast ausschließlich in vollends spezialisierten Bereichen wie bspw. "bedürftige katholische Frauen" (Adelshausenstiftung für bedürftige katholische Frauen an der Uni Freiburg), "Medizinstudenten, die sich vornehmlich der Gynäkologie widmen" (Dr. Walter Heß-Stiftung für die FAU Erlangen-Nürnberg) oder "nur für Nürnberger" (Johann und Liselotte Lehner Stiftung für Nürnberger) – oder privilegieren oft auch, das eine weitere Möglichkeit, "nur Wirtschaftswissenschaftler". Zudem ist auch die Anzahl der auf diesem Wege vergebenen Stipendien vergleichsweise gering. Sie wird (Zuschüsse, Auslandsstipendien, Einmalzahlungen etc. zusammen genommen) auf maximal 26.000 (entsprechend 1,3 Prozent der Studierenden) geschätzt. Wahrscheinlich fällt sie weitaus geringer aus.

Bei steigenden Studienkosten werden die Studierenden durch diese "Erwartungen" privater Stipendiengeber mehr und mehr auf die Interessen derselben geeicht: Steigen die Studiengebühren noch mehr und ist die einzige Alternative zur Verschuldung durch Kredit bspw. ein privates Stipendium für BWL-Studierende, liegt die Wahl des Studiums nach Interessenlage des Geldgebers womöglich recht nah.

Ebenso kritisch gesehen werden müssen hier private Stipendien, die Studierenden zwar das Studium finanzieren, für welche man sich im Gegenzug allerdings dazu verpflichten muss, nach selbigem so und so viele Jahre dann bei seinem Finanzier zu arbeiten.

Auch öffentliche Stipendien an Erwartungen geknüpft

Auch viele der öffentlichen Stipendien sind jedoch an politische oder sonstige und somit inhaltliche Kriterien ("Bedingungen") geknüpft. Das meint: Wer ein Stipendium erhalten will, muss in der Regel einer bestimmten Konfession zugehörig sein, eine bestimmte Weltanschauung oder Parteinähe besitzen etc.

Das schließt von vornherein Menschen aus und legt jene, die schließlich gefördert werden, auf den Rahmen einer bestimmten ideologischen Prägung fest. Wirklich "freie" Bildung wäre etwas anderes, und ist nicht das, was die "Arbeitsgemeinschaft der Begabtenförderungswerke in der Bundesrepublik Deutschland" hinter dem Deckmantel des "Pluralismus" selbst als "Förderung [eben nur] leistungsfähiger Verantwortungseliten" bezeichnet. Gleichberechtigte Bildung, Bildung mit dem Anspruch auf Emanzipation aller, käme ohne Eliten aus und erklärte nicht antiegalitär zum Förderungsziel, dass man Teil derselben wird.

Vergabepraxis sinnlos gegen Gebühren-Abschreckungseffekt

Studiengebühren schrecken vom Studium ab. Für viele potentiell Studieninteressierte ist die Angst vor hoher Verschuldung groß: an nordrhein-westfälischen Hochschulen ging die Zahl der StudienanfängerInnen nach Einführung von Studiengebühren um 6,5 Prozent zurück. Öffentliche Stipendien wirken diesem "Abschreckungseffekt" nicht entgegen, denn: Bewerbungsvoraussetzung ist in der Regel, dass man bereits Studierender ist. Bewerberinnen "können [in der Regel erst] ab dem 2. Semester gefördert werden".

Eine rühmliche Ausnahme bildet hier die Hans-Böckler-Stiftung der Gewerkschaften, welche im Rahmen der Aktion Bildung momentan auch Schülerinnen und Schülern eine Stipendienbewerbung ermöglicht. Auch beim Evangelischen Studienwerk e.V. Villigst soll eine Förderung "für die Dauer des gesamten Studiums" möglich sein.

Sozial wäre das Gegenteil: Privilegierte Privilegierte privilegiert

Aufgrund des zunehmenden Wettbewerbs unter den Hochschulen werden die bereits so schon Privilegierten zum Teil momentan noch weiter privilegiert: An einigen deutschen Hochschulen können sich die StipendiatInnen der öffentlichen Begabtenförderungswerke von den Studiengebühren befreien lassen; sicher in der Hoffnung, hierdurch "Begabte" anzuziehen und sich dann mit diesen profilieren zu können.

In der Konsequenz führt dies zu folgender Kette an "Auswahlmechanismen". Auf der einen Seiten erhalten a) bevorteilte Jugendliche aus gehobenem Elternhaus i.d.R. bessere Noten, b) aufgrund dieser Noten erhalten sie ein Stipendium, c) aufgrund dieses Stipendiums zahlen sie keine Studiengebühren. Eher "wohlhabende" junge Menschen erhalten somit noch staatliche Förderung und werden von den Studiengebühren befreit.

Anders für die "sozial Benachteiligten" auf der anderen Seite, für die sich das Ganze folgendermaßen darstellt: a) als benachteiligte Jugendliche schaffen sie es seltener an die Hochschulen, haben b) hier dann i.d.R., da sie mehr zuverdienen und nebenher arbeiten müssen etc., schlechtere Noten, erhalten folglich c) also kein Stipendium und werden d) nun auch noch mittels Studiengebühren zur Kasse gebeten.

Und noch ein Geschenk, noch ein Geschenk, noch ein...

Vollkommen pervertierte "Robin-Hood-Politik" betreibt hier momentan die Universität Bonn. Diese gab vor wenigen Tagen bekannt, dass sie alle an der Universität eingeschriebenen StipendiatInnen (einzig) der Studienstiftung des deutschen Volkes mit jährlich eintausend Euro zusätzlich fördern wird, die dann dazu verwandt werden können, die Studiengebühren zu bezahlen.

Die Begrenzung der Förderung auf die StipendiatInnen nur dieser Stiftung stellt dabei eine willkürliche politische Setzung, die zusätzliche Aufwendung universitärer Gelder für die in diesem Sinne "doppelte" Förderung ohnehin schon geförderter Privilegierter ebenso einen Abgesang auf den Gleichheitsanspruch im Bildungssystem wie auch eine Fehlallokation öffentlicher Mittel einzig im Sinne der Produktion einer Elite, die sich nachweislich alles andere als aus finanziell oder sozial benachteiligten Schichten rekrutiert, dar.

Selbst eine "wirtschaftfreundliche" Umfrage von Deutscher Telekom, McKinsey und Holtzbrinck zeitigt glücklicherweise noch als Resultat: solcherlei Praxen empfindet mehr als die Hälfte aller Befragen als eindeutig "ungerecht". Zu Recht: Sie ist hochgradig elitär.

Hintergrundmaterial



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1. BieneBanca kommentierte am 12.07.2008 um 10:31:48 Uhr

Also doch...

Stimmt es also doch, dass idR Kinder aus sozial stärkeren Schichten größere Chancen auf Stipendien haben. Und ich dachte, das sei nur mein persönliches Empfinden aus persönlicher Erfahrung. Hm... natürlich sollte man nicht einfach wahllos Stipendien an Leute verteilen, nur weil sie "bedürftig" sind, aber keine guten Leistungen erbracht haben. Andererseits wäre es allerdings angebracht, dass potenzielle Stipendiaten so wie beim Bafög die Einkommensverhältnisse ihrer Eltern offen legen sollten. So könnte man weitestgehend ausschließen, dass solche Leute alles abgreifen. Auch Studenten, die der Arbeiterschicht angehören, können sehr gute Leistungen erzielen. Meine persönliche Erfahrung ist jedoch tatsächlich die, dass man allein durch Nebenjobs und - Ja, es ist so! - die Sorge um seine finanzielle Situation (Wie zahle ich die nächsten Studiengebühren? Wieviel Bafög krieg ich dieses Jahr, wird es reichen?) manchmal einfach weniger Zeit und auch Nerven hat, um sich in der Uni zu profilieren.

Ich krebse auch mit meinem Bafög durch und musste mir erst neulich von einer Bekannten Folgendes anhören: "Echt, du hast so wenig? Das tut mir echt leid. Bei mir zahlen ja alles meine Eltern, also Miete und Auto und so. Hab mich auch mal aus Spaß für ein Stipendium beworben und es sogar gekriegt! Ich brauch das Geld zwar nicht, aber ist ja trotzdem ganz schön." Ich hab das Ganze dann unkommentiert stehen lassen...




2. Arbeiterkind mit Stipendium ;) kommentierte am 12.07.2008 um 17:56:28 Uhr

Komisch...

Es mag stimmen, dass Kinder aus Akademikerfamilien eher Stipendien erhalten, das ist mir auch schon aufgefallen - dies muss aber erstens nicht direkt an deren sozialer Herkunft liegen, sondern hängt eventuell an besseren Leistungen (siehe Schule) und zweitens - korrigiert mich, wenn ich für andere Stiftungen falsch liege - bekommen Kinder von entsprechend reichen Eltern zumindest bei den genannten vier großen Förderungswerken gar kein Geld, sondern nur das Stipendium. Heißt: Ideelle Förderung und Büchergeld. Für den Lebenslauf und das individuelle Fortkommen, nicht mehr. Wo ist also das Problem? Wenn man kein grundsätzliches Problem damit hat, Leistung zu fördern, ist das System m.E. 'gerecht' im Rahmen der Möglichkeiten.




3. Oli (Studis Online) kommentierte am 14.07.2008 um 09:27:49 Uhr

@Arbeiterkind

Wie Du dem Artikel entnehmen kannst, erhalten 5,2% der Studierende aus Akademikerfamilien ein Stipendium, aber nur 2,1% der Studierenden aus Arbeiterfamilien. Und ich glaube kaum, dass Studierende aus Arbeiterfamilien "dümmer" sind. Es ist vielmehr so, dass sie mit mehr Erschwernissen zu kämpfen haben. Und offenbar bei den Stiftungen nicht so ankommen - da fehlt wohl das richtige Auftreten in diesen Kreisen. Zitat aus dem Artikel: "Unter der "Leistungselite" der Studierenden (Notenschnitt 1,0 bis 1,4) erhalten nur 7 Prozent der Studierenden aus Arbeiterfamilien, sehr wohl aber 14 Prozent der Studierenden mit Akademikerelternhaus ein Stipendium." Da gibt es also durchaus ein Gerechtigkeitsproblem!

Nebenbei bemerkt kostet auch Büchergeld und "ideelle" Förderung Geld, es ist also nicht so, dass die geförderten "reichen" Studierenden die Stiftungen nichts kosten.




4. JW kommentierte am 14.07.2008 um 22:47:16 Uhr

Antwort

Ja und nein an KommentatorInnen 1 und 2: Das "Problem" ist eben, das "höhere" soziale Herkunft bessere "Leistungen" ermöglicht - insofern ist Kommentatorin 3 recht zu geben. Wer "selbstbewusster" auftritt, weil Papa Oberstudienrat ist - der oder die erhält eben bei GLEICHER "Leistung", um die es aber gar nicht geht, wahrscheinlicher ein Stipendium als jemand, der oder die sich bis zum Studium "hochgearbeitet" und alle Benachteiligungen bis hier überwunden hat, es aber finanziell dringend brauchen könnte. Zu dem Thema empfehle ich meine Artikel zur Notenkritik und Leistungsideologie ebenfalls auf Studis Online.




5. Arbeiterkind kommentierte am 14.07.2008 um 23:28:35 Uhr

Missverständnis?

@ Kommentatoren zu meinem Kommentar: Und? Genauso war's gemeint. Den Artikeln habe ich durchaus verstanden, nur wollte ich sagen, dass ich die Schlussfolgerungen daraus falsch sind: nicht das Stipendiensystem ist ungerecht, sondern Bildungschancen sind ungerecht verteilt. Das ist aber etwas völlig anderes und hat nichts mit "und noch ein Geschenk, und noch ein Geschenk" zu tun.

Das Büchergeld beträgt 80 Euro - das finde ich okay, egal, was die Eltern verdienen - ansonsten werden Stipendien nach Bafög-Anspruch berechnet. Das kann ich nicht ungerecht finden. Im Übrigen erhält auch nicht jeder, der "reiche" Eltern hat, eine üppige Förderung von seinen alten Herren.

P.S.: Wenn ich behaupten würde, Arbeiterkinder seien dümmer, würde ich mir wohl irgendwie selbst ins Bein schießen...^^




6. Arbeiterkind ;) kommentierte am 14.07.2008 um 23:34:34 Uhr

Zusatz:

Ich habe nicht behauptet, dass 'reiche' Stipendiaten die Stiftungen nichts kosteten, aber es wäre ja wohl ein ziemlich unfairer Blödsinn, Studenten von ideeller Förderung auszuschließen, weil ihre ELTERN ein hohes Einkommen haben. (Ja, ich weiß, hat keiner dierkt gefordert, aber letztlich wäre das ja die Konsequenz.) Davon hätten übrigens auch die 'armen' Stipendiaten nichts: was meint ihr, wie schnell dann das Stipendium nicht mehr als Leistungsanerkennung, sondern als Almosen zum Stigma würde?




7. SandraXX kommentierte am 16.07.2008 um 23:28:15 Uhr

Jeder hat die Chance

Also ich finde diesen Bericht wirklich sehr einseitig geschrieben. Was ist das Problem? Sollen die Stiftungen etwa Leute fördern deren Leistungen nicht entsprechend sind? Ich erhalte selber ein Stipendium der SdW und habe die letzten Jahre zielstrebig an meinem Studium/Ausbildung gearbeitet und mich nebenbei noch gesellschaftlich engangiert. Das ist übrigens ein Hauptkriterium bei der Auswahl der Stipendiaten! Wenn jemand überdurchschnittliche Studienleistungen erbringt, gesellschaftlich seinen Beitrag leistet warum sollte er dann nicht belohnt werden. Auch vor meiner Förderung hatte ich gute Noten und das obwohl ich nebenbei arbeiten musste. Wenn man das nicht schafft, dann ist man einfach kein Kandidat für ein Stipendium. Auch das Auftreten von Leuten aus Akademikerfamilien wurde angesprochen. Dazu: Auch das Auftreten und ein gewisses Selbstbewusstsein sind einfach wichtig wenn man später im Job Erfolg haben möchte. Für extrem introvertierte Leute wären die Vorträge bei den Seminaren wohl eher eine Belastung und keine Bereicherung. Als Stipendiat bekommt man eben nicht nur Geld sondern ist auch angehalten an sich uns seinem gesellschaftspolitischen Engagement zu arbeiten. Natürlich muss man dafür schon gewisse Grundvorraussetzungen mitbringen. Das ist doch selbstverständlich. JEDER hat die Chance auf ein Stipendium. Dass es einen nicht einfach so in den Schoß fällt sollte klar sein. Und dass nicht jeder genommen werden kann auch nicht. Allerdings werden nicht nur Arbeiterkinder abgelehnt sondern auch die im Artikel so verpöhnten Akademikerkinder.




8. Oli (Studis Online) kommentierte am 17.07.2008 um 10:59:33 Uhr

@SandraXX

Du sagst doch selbst, dass NICHT jeder eine Chance hat, denn "ein gewisses Selbstbewusstsein" gehöre halt dazu. Und jetzt überlege Dir mal, warum wohl Akademikerkinder im Schnitt (natürlich gilt das nicht für alle) ein höheres haben dürften. Nebenbei erwähnst Du , dass Du schon vor dem Stipendien gute Noten hattest - was natürlich logisch ist, denn richtig schlechte Noten würden ja kein Stipendium ergeben.

Ich bin mal ganz ketzerisch und frage, warum man Menschen wie Dir, die ja schon gute Noten haben und selbstbewusst sind, überhaupt ein Stipendium geben sollte. Du wirst Deinen Weg ja offenbar auch ohne machen. Das ist doch schon "Belohnung" genug.

Dann das Fördergeld statt für Stipendien doch lieber dafür nehmen, das BAföG auszubauen. Denn wenn wirklich mehr Studierende benötigt werden (was ja immer gesagt wird), dann wird man mit der Förderung weniger wohl kaum etwas erreichen. Die ist nur ein Sahnehäubchen, auf das man sich vor dem Studium kaum verlassen kann und kein Grund sein kann, ein Studium aufzunehmen. Gäbe es dagegen BAföG für mehr Menschen und würden einige der unschönen Detailregelungen verbessert, würde das vielen helfen und auch für die Entscheidung für oder gegen ein Studium entscheidend helfen.




9. Sandraxx kommentierte am 17.07.2008 um 12:14:05 Uhr

Qualität ist ebenfalls wichtig

Und ich betone nochmals "Jeder hat eine Chance". Deiner Argumentation mit dem Bafög widerspreche ich ja gar nicht. Ich finde die Grenzen ebenfalls lächerlich und bin absolut dafür dass diese erhöht werden. Vor allem Kinder aus der Mittelschicht haben es hier nämlich schwer. Jedoch bin ich der Meinung, dass Kinder aus wirklich armen Familien hier eher einen Vorteil haben da diese den Höchstsatz bekommen mit den man als Student zusätzl. des Kindergeldes wirklich gut leben kann. Allerdings haben es Studenten sehr schwer, deren Eltern durchschnittlich verdienen, da diese praktisch kein Bafög erhalten, ihre Eltern sie aber auch nicht unterstützen können. Hier muss angesetzt werden. Allerdings hat das nichts mit den Stipendien zu tun. Natürlich müssen Leistungseliten wie im Artikel geschrieben wurde gefördert werden. Wir brauchen nicht nur viele Studenten sondern auch gute Absolventen. Dass das durch finanziellen Rückhalt und ideeler Förderung erleichtert wird sollte nicht als Nachteil gesehen werden. Die meisten Stipendiaten engagieren sich nebenher noch außerordentlich für die Gemeinschaft und erbringen trotzdem gute Leistungen. So etwas MUSS gewürdigt werden. Ich finde es unmöglich den schwarzen Peter Leuten zuzuschieben die sich das oft hart erarbeitet haben und jetzt das Glück haben in die Stiftung aufgenommen worden zu sein. Leute die motiviert sind ihr Studium bestmöglichst abzuschließen müssen natürlich gefördert werden. Es muss nunmal Leute geben die besser sind als andere. Dafür kann man Stipendiat sein oder auch nicht. Auch die Bewerbungsunterlagen erfordern einen gewissen Aufwand. Auch sind diese Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung sehr wertvoll. Auch mein Selbstbewusstsein ist nicht unendlich und ich habe hart dafür gearbeitet. Nur weil man gute Noten und ein sicheres Auftreten hat ist man noch nicht fertig mit seiner Entwicklung. Dafür erhalte ich die ideelle Förderung bei der ich unheimlich interessante Menschen kennenlernen darf. Schäme ich mich dafür?- Nein!

Klar dass man nach dem Studium nicht verschuldet sein möchte aber es gibt auch noch die Möglichkeit zu arbeiten (mache ich auch), Bafög zu erhalten (wie gesagt- Mittelschicht ist definitiv benachteiligt), gute Leistung zu erbringen u. sich für ein Stipendium zu bewerben (bei manchen aber anscheinend verpönt), von den Eltern Zuzahlungen zu erhalten (auch wenn das nicht für den gesamten Unterhalt reicht) oder oder oder... Ach ja- die Semesterferien dauern pro Jahr mehr als 4 Monate- auch ne Möglichkeit um zu arbeiten wenn man semesterbegleitend keine Zeit hat.

Abschließend - Bafögerhöhung ist längst überfällig und man muss auch die Möglichkeit haben studieren zu können ohne vollkommen überschuldet zu sein aber man muss auch selber seinen Beitrag leisten.

Und: Diesen Neid gegenüber den Stipendiatin finde ich unmöglich. Hier werden wieder diejenigen die bereits sind etwas zu leisten abgestraft. Diese ewige Diskussion in unserer Gesellschaft- diejenigen die hart arbeiten sind die bösen weil sie mehr haben als andere die weniger machen...




10. Oli (Studis Online) kommentierte am 17.07.2008 um 13:27:45 Uhr

Es geht nicht um Neid (@SandraXX)

Es gibt nicht unbegrenzt Geld für alles. Sofern man dies als gesetzt annimmt (kann man natürlich auch bestreiten, aber das wäre noch eine andere Diskussion), finde ich eben, dass man lieber ALLES vorhandene Geld für etwas wie das BAföG (oder am besten gleich eine noch viele bessere Studienfinanzierung) verwendet, als Stipendien damit zu vergeben.

Es geht hier nicht um Neid auf StipendiatInnen, sondern darum, wie (warum auch immer) begrenzte Geldmittel am gesellschaftlich sinnvollsten eingesetzt werden. Der Autor dieses Artikels hier, unter dem wir gerade diskutieren, ist selbst Stipendiat!

Und nochmals: Wenn Du "gut" bist, wirst Du einen "guten" Job bekommen, vermutlich spannendere Abschlussarbeiten (jedenfalls würde ich mal vermuten, dass Profs ihre spannendsten Themen den "besseren" Studierenden geben) etc. Durch Dein gesellschaftliche hast Du ebenfalls in der Regel Vorteile (Kontakte, Referenzen etc.), die nicht in Geld aufzuwiegen sind.

Schließlich: Wenn Du für ein besseres BAföG bist, müsste auch Geld dafür bereit gestellt werden. Und wo kommt das Geld her? Aus Steuern und da sind wohl die Gutverdienenden eher belastbar als andere. Sie haben auch nach Steuern immer noch mehr als andere. Übrigens solltest Du nicht so tun, als ob alle, die hart arbeiten, mehr haben. Eher das Gegenteil ist der Fall – Putzfrauen arbeiten auch hart, aber bekommen sehr wenig Geld. Und andere arbeiten überhaupt nicht hart, haben aber trotzdem ein gutes Auskommen. Da also "hart arbeiten" wohl kaum "messbar" ist, kann es Steuern nur danach geben, wie hoch das Einkommen ist. Man könnte höchstens Spekulationsgewinne und Zinseinkünfte stärker besteuern. Aber dagegen wenden sich dann ja auch immer starke Lobbygruppen ...




11. Sandraxx kommentierte am 17.07.2008 um 21:34:11 Uhr

Letzter Beitrag

1. Durch mein gesellschaftspolitisches Engagement werde ich wohl kaum spätere Kontakte fürs spätere Berufsleben knüpfen können- das ist wohl eher die Ausnahme. Außerdem hat nun ja wirklich JEDER die Möglichkeit sich zu engagieren wenn es angeblich so vorteilhaft ist- auch normale Studenten. 2. Ohne den Beruf einer Reinigungskraft herunterzuwürdigen, so zählt diese Tätigkeit in unserer Gesellschaft nunmal nicht zu den gut bezahlten. Würdest du etwa genauso viel dafür zahlen wie einem Akademiker in der Stunde? Außerdem gibt es Berufe, bei denen man am Feierabend seine Ruhe hat. Bei anderen (vor allem bei besser bezahlten) gibt es keinen 8-Stunden-Job.

Natürlich kann man zum sozialistischen System zurückkehren- es ist auch wirklich verdammt ungerecht dass es Menschen gibt die finanziell ausgesorgt haben oder einfach ein zu hohes Gehalt für ihre Arbeit bekommen. Am besten wir schaffen das alles ab und führen einen Einheitslohn ein dann ist diese ganze Gerechtigkeitsdebatte vom Tisch. Das ist so lächerlich. Es gibt Unterschiede und die werden auch immer bestehen bleiben. Wenn ich nach meinen Studium nicht mehr verdienen könnte, dann hätte ich keinen Anreiz 4 oder noch mehr Jahre auf regelmäßiges Einkommen zu verzichten. (Auch wenn es einige Idealisten gibt) Wenn ich als Absolvent mit Topnoten nicht mehr verdienen würde dann hätte ich auch weniger Anreiz mich während des Studiums reinzuhängen. Wenn ich als Gutverdiener noch mehr Steuern zahlen müsste, dann würde ich mich natürlich furchtbar aufregen. ICH will selbst entscheiden was ich mit meinem Geld machen möchte. Im übrigen gibt es genug Privatpersonen die FREIWILLIG spenden und andere unterstützen. Eine generelle Steuererhöhung ist definitv der falsche Weg da man so nur eine enorme Unzufriedenheit unter den Gutverdienern und evtl. Abwanderung in andere sog. Steuerparadiese bewirkt. Wir haben hier in Deutschland die SOZIALE Marktwirtschaft, was eine gerechte Einkommensverteilung bedeutet. Jedoch heißt das auch, dass diejenigen die mehr leisten (in den Industriestaaten werden eben die "einfachen" Jobs immer mehr wegfallen was "Leistung" nicht als körperliche Arbeit definiert )mehr bekommen sollen. Ein Ausruhen von arbeitfsfähigen Bürgern ist hier nach Ludwig Erhard eigentlich nicht vorgesehen. Also muss man als Student arbeiten oder eben dementsprechend an seinen Noten arbeiten um ein Stipendium zu bekommen. Beides ist Arbeit- auch für ein Stipendium hat man im Vorfeld schon Arbeit aufgewendet.

Da diese Debatte wohl nicht zu einer Einigung kommen wird beende ich meine Beiträge hiermit.

Wie gesagt: Es muss gewährleistet werden dass jeder die Chance auf ein Studium hat, jedoch bedeutet dies nicht, dass diese Person überhaupt nicht arbeiten muss. Nebenher arbeiten ist für fast jeden Studenten zeitlich möglich und schadet nicht. Nur weil man die begabten Studenten nicht mehr weiter fördern würde, hieße das nicht, dass deshalb die anderen mehr bekommen würden. Außerdem zahlen die ehem. Stipendiaten durch ihre besseren Positionen und Einkommen(wie du ja annimmst) mehr Steuern- auch deshalb ist es wichtig überdurchschnittlich gute Absolventen hervorzubringen. Schau dir doch mal an wer in Deutschland die Steuern zahlt- das sind vor allem die Leute mit hohen Einkommen. Irgendwann ist jedoch die Grenze erreicht!

Diese Diskussion hier hat nichts mit Stipendiaten zu tun sondern mit der generellen Gerechtigkeitsdebatte die in Deutschland leider ständig geführt wird. Dabei ist der Lebensstandard hier viel höher (auch für die weniger Priviligierten) als in den meisten Ländern der Erde.




12. popichtig kommentierte am 26.11.2008 um 13:54:42 Uhr

Gerechtigkeitsdebatte in Deutschland

Also was die leider ständig geführte Gerechtigkeitsdebatte in Deutschland betrifft: Dass es in unserem Land den am schlechtesten gestellten besser geht als der Mittelschicht in vielen anderen Ländern, heißt nicht, dass man sich über Gerechtigkeit innerhalb Deutschlands keine Gedanken machen müsste. Das ist ja wohl ein ganz anderes Thema und dass es angesprochen wird, zeigt nur die eigene Inkonsequenz hinsichtlich moralischer Grundprinzipien, nach dem Motto: Ist doch eh alles scheiße in der Welt. So viele Probleme, für die es keine Lösung gibt, da machts auch nichts mehr, wenn ich nur an meinen eigenen Vorteil denke..." Und was die Stipendiendiskussion angeht: Im Grunde hat jeder ein Recht auf Förderung und es liegt an unserem klassistischem Schulsystem und der völlig ungerechten Einführung der Studiengebühren, dass dies nicht verwirklicht ist. Natürlich ist es dann unfair nur die (von vornherein privilegierten) Intelligentesten zu fördern. Genauso unsinnig wäre es aber auch, sie nicht zu fördern. Das Grundproblem liegt in den Studiengebühren und nicht in der Befreiung von ihnen. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht alle Stipendiaten geldgeile Kapitalisten sind, die an die Unumwürflichkeit bestehender Unterschiede glauben, sondern dass sich auch ein paar vernünftige Menschen unter ihnen finden, die dann von ihren privilegierten Positionen aus versuchen, mal zur Abwechslung etwas in diesem Land zu verbessern.




13. Arbeiter-/Akademikerkind kommentierte am 14.10.2009 um 11:21:36 Uhr

Arbeiter- und Akademikerdiskussion - mal wieder...

Ich muss offen gestehen, mir geht diese ewige Sozialdiskussion auf die Nerven. Meine Mutter ist Diplom-Chemikerin und arbeitet beim Sozialamt bzw. jetzt JobCenter genannt, mein Vater hat sein Studium abgebrochen, weil ich auf die Welt gekommen bin und ein Fulltimejob nötig wurde - seine Promotionsschrift war quasi fertig... Ich bin Stipendiat und würde mich in der Mittelschicht ansiedeln, lebe aber von weniger als 550,- EUR im Monat - 315,- Miete, da bleibt nicht mehr viel übrig. Ich arbeite nebenher, um meinen Eltern nicht zur Last zu fallen, werde aber schräg angeschaut, wenn ich sage, dass ich ein Stipendium aufgrund meiner bisherigen Leistung und meines Engagement erhalte und - derzeit, das ändert sich zu diesem Wintersemester - keine Studiengebühren zahle. Ich bin im Gegenteil nicht der Meinung, man solle mehr Geld ins BAFöG stecken, sondern mehr leistungsbezogene Stipendien vergeben. Ich muss vielleicht dazu sagen, dass mir nur faule Langzeitstudenten bekannt sind, die den BAFöG-Höchstsatz erhalten. Warum muss ich dann nebenher arbeiten und habe im Monat sogar weniger übrig?




14. Oli (Studis Online) kommentierte am 14.10.2009 um 11:44:08 Uhr

@Arbeiter-/Akademikerkind

"Faule Langzeitstudenten" können per se kein BAföG bekommen. Zum einen gibt es BAföG nur für die Dauer der Regelstudienzeit. Danach kann man höchstens ein Jahr noch ein verzinstes Bankdarlehen bekommen, sofern man nachweislich innerhalb dieses Jahres das Studium beenden könnte. Und schon nach dem 4. Semester müssen BAföG-Empfänger einen Leistungsnachweis vorlegen.

Also kann Deine Aussage, Du kennst nur BAföG-Empfänger, die "faule Langzeitstudenten" sind, irgendwie nicht stimmen.




15. Name11 kommentierte am 17.11.2009 um 12:33:48 Uhr

Bafögempfangende Langzeitstudierende??

Mir geht es ähnlich wie Bianca; kaum Bafög (reicht nicht mal für die Miete) und den Rest finanziere ich mir aus Jobs + Aufnahme des StudiengebührenKREDITES. Ich habe definitiv den Eindruck, dass mein Studium enorm darunter leidet (kein Wunder, es dürfte allmählich zwischen einem Drittel und der Hälfte der Zeit meines Studiums alleine zum Geldverdienen geopfert worden sein - und damit übertreibe ich leider nicht), musste trotzdem immer ganz schön sparen. (Die Möglichkeit auf ein Stipendium habe ich dummerweise auch nie in Erwägung gezogen, weil ich es, als eine Aufnahme noch möglich gewesen wäre, besser auch nicht wusste)

Und die Behauptung, da gäbe es nur langzeitstudierende Bafögempfänger, finde ich gelinde ausgedrückt eine Frechheit. Ich halte mich da ganz an meine Vorgängerin - lanzeitstudierende Bafögempfänger, das widerspricht sich. Außerdem bin ich kein Einzelfall - nur das Fälle wie ich gezwungenermaßen in der Statistik gut untergehen (laut Bafögrechnung zahlen nämlich meine Eltern - können sie aber aus gutem Grunde eben nicht.)

Ich jedenfalls habe nicht den Eindruck in irgendeinem sozialen Netzwerk geschützt meiner Dinge verrichten zu können. Wenn ich solche Artikel wie den obigen lese, wird mir nur noch einmal deutlich vor Augen geführt, was ich ohnehin schon längst weiß - da hat sich in den letzten Jahren ein "kleines Grüppchen" aufgetan, das ganz schön im Regen stehen gelassen wird.






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