Wunschträume und Zerrbilder
Stipendien für 10% der Studierenden?

Schön wäre es ja: Ein Geldregen für alle Studierende. Leider geht es aber nur um 10% – und selbst ob das erreicht wird, ist noch die Frage
Das Modell sieht vor, dass mittelfristig für 10% der Studierenden jeder Hochschule Mittel für ein Stipendium in Höhe von 300 Euro im Monat zur Verfügung stehen. Das Geld soll nur nach "Leistungskriterien" vergeben und (daran wird wohl noch gefeilt) beim BAföG nicht angerechnet werden. Die Hälfte des Geldes kommt von Bund und Land, die andere Hälfte soll die Wirtschaft bereitstellen. Um die Einwerbung des Geldes müssen sich die Hochschulen selbst kümmern. Der Anteil von Bund und Land fließt nur, wenn es der jeweiligen Hochschule gelungen ist, Gelder der Wirtschaft zu aktivieren.
Viel Geld – theoretisch
Hier ist schon der erste Stolperstein im Modell: Es ist kaum zu erwarten, dass nun plötzlich Unternehmen Massen von Geld ausschütten. Niemand hatte sie auch heute schon daran gehindert, Stipendien zu vergeben, trotzdem wurde das nur in verschwindend geringem Anteil getan. Die bisherige Quote von ca. 2% durch Stipendien geförderte Studierende ergibt sich vor allem durch Stipendien der großen Organisationen, die alle auch am Geldtropf des Staates hängen. Direkt von der Wirtschaft kommen nur wenige Gelder.
Es wäre also kein großes Wunder, wenn Bund und Länder gar nicht so viel Geld ausgeben müssen, wie aktuell angekündigt wird. Denn solange aus der Wirtschaft und von Privat zu wenig kommt, müssen auch Bund und Länder weniger zugeben. Es gibt eigentlich keinen Grund zur Annahme, warum nun Wirtschaft und Private plötzlich ihre Füllhörner ausgießen sollte. Aufrufe (oder gar Ankündigungen) zu mehr finanzieller Beteiligung gibt es seit Jahren – eingelöst wurden sie bisher praktisch nicht.
In Nordrhein-Westfalen ist das landeseigene Programm nach dem genannten Modell zum laufenden Wintersemester gestartet. Das Land hatte zunächst 1200 "Stipendienhälften" zur Verfügung gestellt und schließlich noch um 200 auf 1400 aufgestockt. Diese wurden auf alle Hochschulen anteilig nach deren Anteil an Studienanfängern aufgeteilt und wurden auch vollständig abgerufen. In dieser Höhe konnten also tatsächlich nichtstaatliche Gelder aktiviert werden und das an allen Hochschulen, egal in welcher Region und mit welchem Fächerangebot. Die RWTH Aachen bspw. hatte tatsächlich am meisten Studienanfänger und auch nur deswegen am meisten Stipendien im Angebot. Bezogen auf alle Studierende in NRW (und an alle richtet sich das Stipendium) handelt es sich aber aktuell nur um ca. 0,3%, also weit vom 10%-Ziel entfernt. Für manchen mag es aber schon überraschend sein, dass überhaupt so viele Spender erreicht werden konnten.
Offen bleibt, ob es auch bei mehr Stipendien (und als Ziel geht es ja um ca. 30mal so viele!) wirklich allen Hochschulen gelingen kann, genügend Spender zu aktivieren, um die Staatsanteile wirklich abrufen zu können. Der Aufwand dafür könnte doch beträchtlich steigen – und für das Einwerben bekommen die Hochschulen keinen Cent, müssen also sehen, wo sie die Mitarbeiter dafür hernehmen. Eingeworben muss das Geld mehr oder weniger jährlich neu, länger müssen sich die Spender nicht verpflichten. Nur das Land hat für die aktuellen Zuschüsse eine Zusagen für 4 Jahre gegeben (aber auch die hängt ja daran, dass jeweils Spender die andere Hälfte geben).
Interessant ist die Zusammensetzung der Spender: 43% Stiftungen und Vereine, 38% Wirtschaftsunternehmen, 17,5% Privatpersonen und 1,5% Banken und Sparkassen. Möglicherweise kommt es also (das ist zunächst aber spekulativ) auch zu einer Umverlagerung bisheriger, nicht an dieses Programm gebundene Stipendien von Stiftungen in das neue Programm – so nach dem Motto, da können wir immer noch die Bedingungen diktieren und zusätzlich gibt der Staat noch etwas drauf. Dass sich Wirtschaftsunternehmen direkt beteiligen (wie ja immer vorgesehen) ist dagegen offenbar gar nicht so üblich.
Die Aufteilung der Stipendien auf Fächergruppen ist einerseits wie zu erwarten einseitig: 27% gehen in die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, 21% in die Ingenieurwissenschaften, 8% in Mathematik und Naturwissenschaften, 5% in Medizin und nur je 0,5% in Kunst- und Kunstwisseschaften bzw. Sprach- und Kulturwissenschaften. Andererseits stehen immerhin 38% ohne Fachbindung zur Verfügung.
Wirkliche Schlüsse lassen sich daraus bisher nur begrenzt ziehen. Im Pinzip in keine Richtung. Weder ist bei der bisher geringen Zahl von Stipendien gesagt, dass sich wirklich genug Geldgeber erreichen lassen, um 10% ALLER Studierenden zu fördern. Die Befürchtung der Ungleichverteilung zwischen den Fachbereichen kann bleiben – ohne bisher bestätigt zu werden: Denn dass auch bei stärkerem Einwerbedruck so viele Spender keine Fachbindung vorgeben, kann bezweifelt werden. Und wer eine vorgibt, verhält sich so, wie schon befürchtet.
Quelle: Auskunft des Pressereferats des Innovationsministeriums, Stand der Zahlen zur Zusammensetzung der Spender und der geförderten Fächer: 12.10.2009
Viel Arbeit – schön versteckt
Soll das Programm funktionieren, müssen sich die Hochschulen auf die Suche nach Geldgebern machen. Das kostet Zeit und Geld – das aber zunächst einmal nirgendwo auftaucht. Wo sollen die Hochschulen die MitarbeiterInnen für die Stipendienaquise hernehmen? Wo die MitarbeiterInnen, die das Auswahlverfahren begleiten und die Auswahl schließlich treffen? Wo wird dieser Aufwand an anderer Stelle wohl eingespart werden? Auch für Bund und Länder wird ein gewisser Aufwand entstehen, der noch unbezifferbar ist. Durchaus ein weiterer Stolperstein.
Schließlich müssen auch die beteiligten Unternehmen etwas mehr tun, als nur Geld zu geben. Denn die Idee ist gerade, dass sie ihre eigenen Auswahlkriterien mit ins Auswahlverfahren einfließen lassen.
Und der Nutzen?
Die Stipendien folgen dem Slogan "Leistung muss sich wieder lohnen". Als wenn Leistung nicht sowieso positive Folgen hat (spätestens bei der Jobsuche). Davon ganz abgesehen: Insbesondere die Behauptung, durch mehr Stipendien würden auch mehr Menschen für ein Studium interessiert, erscheint eher zweifelhaft.
Kinder aus finanzstarken Familienhäuser studieren schon heute in sehr hohem Maße, für sie ist das Stipendium ein "Nice-to-have", aber sicher kein Grund, ein Studium zu beginnen oder zu lassen. Für diejenigen aus finanzschwachen (oder jedenfalls finanziell wackligen) Familien ist die Aussicht auf ein Stipendium zwar schön, aber keine Sicherheit. Auch beim BAföG mag es nicht immer einfach zu sein, vorher zu sagen, ob es welches geben wird. Aber bei Stipendien ist das noch viel weniger vorauszusehen – wer weiss schon, ob er durch die Auswahlverfahren kommt.
Überhaupt scheinen Stipendien eine soziale Schieflage zu haben. Will sagen: Studierende aus finanzstarken Familien haben größere Chancen darauf. Das zeigte zuletzt (schon vorher gab es dazu Studien, die allerdings nicht so umfangreich waren) eine Studie des HIS (hier als PDF). Demnach sind unter Stipendiaten noch weniger Kinder aus "Arbeiterfamilien" als unter der gesamten Studierendenschaft (und schon bei der sind es weniger, als unter der gesamten gleichaltrigen Bevölkerung).
Gründe für die Schieflage gibt es einige: Sowohl bewerben sich Kinder aus "bildungsfernen" Familien weniger um ein Stipendium, zum anderen ist ihre Chance auch bei Bewerbung geringer. Und zwar auch bei gleich gutem Abitur-Schnitt. Diverse weitere Überlegungen zum Thema Stipendien und eine umfassende Kritik an ihnen finden sich im Artikel "Nicht Lösung, sondern Teil des Problems".
Würde man annehmen, dass wirklich so viele Stipendien zustande kommen, wie geplant (was ja gar nicht sicher ist – siehe oben), so ergibt sich ein weiteres Problem: Da jeder Stipendiengeber eigene Auswahlkriterien einfließen lassen kann, wird das Auswahlverfahren nicht gerade einfach. Die BewerberInnen sehen sich mit unterschiedlichsten Anforderungen konfrontiert, die Hochschulen als Mittler der Stipendien haben die Mühe, BewerberInnen und Auswahlkriterien irgendwie in Einklang zu bringen, um auch alle Mittel abrufen zu können. Immerhin haben die Studierenden nur einen Ansprechpartner für diese Stipendien: Ihre Hochschule. Die darf dann sehen, wie sie Bewerbungen und Angebot in Einklang bringen kann.
Geld könnte beim BAföG fehlen
Noch heißt es von Seiten der Koalition, dass am BAföG nichts geändert werden soll (oder sogar leichte Verbesserungen wie eine Erhöhung der Altersgrenze kommen sollen). Man könnte das auch negativ wenden: Nichts ändern heißt faktisch eher ein Abbau, denn es müsste ja auch nichts angepasst werden. Wenn mehr und mehr Gelder für Stipendien verplant sind, könnte es aber zukünftig um so schwerer fallen, für das BAföG mehr Geld (oder überhaupt so viel wie bisher) zur Verfügung zu stellen.
Dabei erreicht nur eine Studienfinanzierung, die für alle grundsätzlich studierfähigen zur Verfügung steht (als Rechtsanspruch, nicht nur vielleicht wie ein Stipendium) und wenig Schulden erzeugt, wirklich die Ausschöpfung der sogenannten Begabungsreserven. Denn für Menschen aus finanzschwächeren Familien sind Stipendien keine wirkliche Hilfe. Eine Garantie auf ein Stipendien kann man vorher kaum geben, denn dass man selbst bei sehr guten schulischen Ergebnissen auch im Studium so gut ist (und bleibt), bleibt erst einmal offen. Für alle "durchschnittlichen" jedenfalls kann per se ein Stipendium für die besten 10% nicht in Frage kommen.
Eine gute Studienfinanzierung für alle ist nötig
Langfristig wäre es an der Zeit, vom elternabhängigen Modus des BAföGs (der auch diverse Probleme aufwirft) wegzukommen und allen elternunabhängig eine ausreichende Finanzierung zur Verfügung zu stellen. Das zu finanzieren ist nicht einfach und würde starke Einschnitte erforderlich machen (u.a. Streichung des Kindergeldes bzw. der Kinderfreibeträge bei den Steuern der Eltern). Auch die rechtliche Umgestaltung (kein Unterhaltsanspruch mehr gegen die Eltern, sondern stattdessen ein gewisser Anspruch an den Staat) wäre nicht einfach. Aber man sollte langsam damit anfangen.
Denn selbst mit dem 300-Euro-Stipendium und BAföG würden manche schlecht dastehen: Alle diejenigen (und davon gibt es gar nicht so wenige!) jedenfalls, die kein BAföG bekommen, weil die Eltern aus Gesetzessicht genug Geld haben, um das Kind zu finanzieren. Bei denen die Kinder das aber nicht fordern wollen – sei es, weil sie den Eindruck haben, dass die Eltern so viel Geld doch nicht haben; sei es, weil es ein komplizierter Fall ist und die Kraft, dass beim BAföG durchzubringen, nicht vorhanden ist. Oder weil sie trotz allem die Eltern nicht verklagen wollen, um an das Geld ranzukommen. Für die ist 300 Euro zu viel zum Sterben aber zu wenig zum Leben ... Nur eine echte, ausreichende elternunabhängige Finanzierung würde hier helfen.
Weitere Stimmen zum 300-Euro-Stipendien-Modell
- Bildung nur noch für hochbegabte und finanzstarke Menschen (Pressemitteilung des studentischen Dachverbandes fzs, 17.10.2009) »
- Großer Wurd (Kommentar in der ZEIT, 22.10.2009) »
- "Schwarz-gelbe Träumereien" (Kommentar von Ulla Burchardt [SPD] in der Frankfurter Rundschau, 19.10.2009) »
- Studenten im Glück: Schwarz-Gelb will Stipendien regnen lassen (SPIEGEL ONLINE, 19.10.2009) »
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1. Frustrator kommentierte am 23.10.2009 um 21:44:23 Uhr
Kommentar
So siehts leider aus; armes Deutschland.
2. Takumo kommentierte am 24.10.2009 um 13:38:31 Uhr
Kollektive Betrachtungsweise
Stipendien sind kollektiv betrachtet eine reine Katastrophe! Es darf nicht sein, dass man nur einer priviligierten Minderheit ein Recht auf Bildung ermöglicht! <<-- für ein allgemeines Bafög mit realistischen Sätze!
3. Rudelos kommentierte am 25.10.2009 um 22:05:07 Uhr
Besser als gar nichts
Ich sehe Stipendien zwar nicht so negativ wie der Autos dieses Artikels, aber gut... wenn nun nicht Leistung für die Stipendienvergabe ausschlaggebend sein soll, was dann?
Die Kernfrage ist, wen wir unterstützen wollen: ich bin für diejenigen, die Leistung bringen und somit (wahrscheinlich) ein Studium erfolgreich abschließen.
4. ende_zwanzig kommentierte am 27.10.2009 um 12:14:31 Uhr
klar einseitig
Grundsätzlich wäre das eine gute Idee. Das ändert aber noch nichts daran, das schwarz-gelb die soziale Schieflage verstärken und zahllose Härtefälle verursachen wird. Noch fragwürdiger ist die Priorität für Jura/Wiwi..
5. Rudelos kommentierte am 27.10.2009 um 13:45:20 Uhr
"soziale Schieflage"
Ob "schwarz/geld" wirklich den allseits beschworen Kahlschlag verursachen wird, bleibt abzuwarten.
Ich finde, wenn 10% der Studenten mit Stipendien gefördert werden sollen, ist das eine gute Sache. Und das man die Stipendien nicht an diejenigen vergibt, die ein Abi von 3,7 haben und evtl Probleme haben das Studium erfolgreich abzuschließen, sollte jedem klar sein.
Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, willkommen in der Realität :-)
6. Oli (Studis Online) kommentierte am 27.10.2009 um 14:07:20 Uhr
Sinn von Stipendien
Die Kritik an Stipendien bezieht sich unter anderem darauf, dass von vielen Seiten behauptet wird, Studiengebühren seien kein Problem, wenn es nur "genug" Stipendien geben würde. Wie kann aber die Förderung von 10% der Studierenden das Kosten-Problem von Studiengebühren lösen?
Desweiteren ist es einfach so, dass man sich auf Stipendien eben nicht verlassen kann. Eine solide Studienfinanzierung sieht anders aus.
7. SwA kommentierte am 28.10.2009 um 10:07:52 Uhr
Nix neues im Staate Dänemark
Was gibt es dabei eigentlich zu Jubeln?
10 Prozent der Studierenden sollen gerade mal 300 Euro bekommen. Na klasse, was ist mit dem Rest?
Es soll rein nach *Leistung* vergeben werden. Was heißt das genau? Nach Abiturnoten? Ist das nicht ein wenig unfair, da Studium eben nicht das gleiche ist wie Schule? Und sind die Studierenden ausfinanzschwachen Familien nicht sowieso schon am Gymnasium benachteiligt worden?
Und ist es nicht danach im Endeffekt so, dass diejenigen ein Stipendium bekommen, die es überhaupt nicht brauchen? Wird damit nicht der Sinn eines Stipendiums ad absurdum geführt?
Nene, das was schwarz-geld da verspricht ist nichts als eine hohle Phrase, die an der desolaten Situation nichts, aber auch garnichts ändert.
Aber juche wir leben in einer *Leistungsgesellschaft*. Seltsam nur dass davon die *Leistungsträger* wie Krankenschwestern, Polizisten usw. recht wenig merken. Oder will die jemand als faul titulieren?
Nein, als Leistung gilt es ja schon reiche Eltern zu haben. Oder im Lotto gewonnen zu haben. Leistung gleich Geld. Ja, wenn wir Leistung so definieren, dann stimmt sogar der Begriff *Leistungsgesellschaft*. Dass das mit Wissen, Bildung und Fachkentnissen allerdings rein garnichts zu tun hat, das können wir ja getrost ignorieren.
Also nix neues im Lande, nur wieder heiße Luft.
8. Frau Leistungsstark kommentierte am 28.10.2009 um 16:53:51 Uhr
Kommt raus aus eurer kommunistischen Traumwelt!
Die Weltanschauung des Autors dieses Artikels und einiger Kommentare tragen in höchstem Maße dazu bei, dass Deutschland immer weiter den Bach runterrutscht.
Ungerecht? Unsozial? Nur für privelligierte Minderheit?
Jawohl und Gott sei Dank für privelligierte Minderheit - nämlich für eine Minderheit, die bereit ist etwas zu leisten, so wie in der realen Arbeitswelt und jedem anderen Land dieser Welt. Wer leistet wird belohnt, wer nicht nicht - eine simple und sehr gerechte Weisheit. Nur in Deutschland meinen wieder Personengruppen, unfair behandelt zu werden, wenn ihnen nicht umsonst Geld in den A*** geschoben wird!!
@Takumo: du möchtest ein allgemeines Bafög mit realisitischen Sätzen? Hast du dir schon mal Gedanken gemacht wer das bezahlen soll? Die hart arbeitenden Steuerzahler während DU dir in deinem 12. Semester ein schönes Leben machst? Ich als Steuerzahlerin hab's jedenfalls satt ständig für Schmarotzer und Faulpelze von deiner Gesinnung mitzuzahlen!!
Und hört bitte endlich auf mit dem Gesülze von Benachteiligung finanzschwacher Familien! Ich komme aus einer wirklich armen Familie und (stellt euch das mal vor!) mit Migrationshintergrund. Nichtsdestotrotz habe ich ein sehr gutes Abitur und habe meine Diplomprüfung als eine der besten des Jahrgangs abgeschlossen. Und zwar nicht, weil ich ein Wunderkind bin, sondern weil ich bereit war etwas für meine Zukunft zu tun UND ich war bereit zu leisten.
Kommt bitte vom Denken weg, dass euch der Staat etwas schuldet und seid froh, dass in Deutschland so etwas wie Bafög existiert und euch somit das Studieren ermöglicht wird - unabhängig davon was ihr leistet!! Es ist ein Geschenk, für das ihr einfach nur dankbar sein solltet, dankbar dem (zu) sozialen deutschen Staat....
9. Oli (Studis Online) kommentierte am 28.10.2009 um 17:05:50 Uhr
@Frau Leistungsstark
Deutschland wird weiter den Bach runterrutschen, wenn nur 10% der Studierenden ein Stipendium bekommen und es für den Rest immer schwerer wird, das Studium zu finanzieren. Oder glaubst Du etwa, wir brauchen weniger Studierende?
BAföG gibt es nur in der Regelstudienzeit (eine etwaige Verlängerung um HÖCHSTENS ein Jahr ist nur als verzinstes Darlehen zu bekommen und nur, wenn man in dieser Zeit seinen Abschluss machen kann!). Nach dem vierten Semester muss ein Leistungsnachweis erbracht werden (und der erlaubt KEINE Verzögerung außer mit guten Gründen!), sonst gibt's kein BAföG mehr. Insofern geht Deine Hetze auf "Schmarotzer" und "Faulpelze" wieder vollkommen an der Realität vorbei.
Davon abgesehen: Wer (sehr) gute Leistungen im Studium erbringt, wird in der Regel einen gut(bezahlt)en Job bekommen. Also braucht es eigentlich nicht auch noch ein Stipendium als zusätzliche Belohnung. Das Du ja ebenso wie das BAföG aus "Deinen" Steuern bezahlen musst.
10. Schwarz-Gelb-Reich kommentierte am 28.10.2009 um 18:42:04 Uhr
Bildungspolitik für Reiche Söhne und Töchter
Ich bin echt schockiert über einige Beiträge hier.
Bildung sollte kostenlos und für jeden zugänglich sein!
Jeder möchte einen bestimmten Beruf erlernen.
Da ist es quatsch zu sagen, mit 3,0 ist man für den Beruf nicht mehr geeignet!!
Einfach nur quatsch!!
Gerade die Leute aus finanzschwachen Elternhaushälten haben nicht so gute Noten.
Das weiss jedes Kind.
Das hat viele sozialpolitische Gründe.
Trotzdem sollten gerade diese Personen gefördert werden.
Der Abschluss zählt, nicht die Noten! (jedenfalls nicht nur!)
11. Rudelos kommentierte am 28.10.2009 um 19:27:10 Uhr
@all
@sWa:
- Wie sieht denn dein Vorschlag für Stipendien aus? Nach welchen Kriterien würdest du denn Stipendien vergeben wenn nicht nach Leistung? Nach der Schuhgröße? Oder nur diejenigen die ein Abitur von 4,0 haben?
- Ein Stipendium ist eine Begabtenförderung, und nicht nur eine Sozialleistung. Dafür gibt es das Bafoeg.
- Was bitte soll das Beispiel mit den Polizisten?! Was meinst du damit, dass ihre Leistng nicht belohnt wird? Deren Bezüge übersteigen ZURECHT das Durchschnittseinkommen vieler anderer.
- Als Leistund zählt nicht reiche Eltern zu haben, sondern sich auf den Hintern zu setzen, zu lernen und gute Noten zu schreiben. Sollen diese Leistungswilligen sich dafür entschuldigen, dass andere Eltern nicht in der Lage sind ihrer Kinder zu erziehen? (Stichwort Sozialhilfe in 2ter Generation)
@Frau Leistungsstark:
- Grundsätzlich glaube ich selber an das Leistungsprinzip, aber das kann man auch höflich sagen ohne gleich so auszuflippen. Freu dich doch, dass du das Prinzip des Arbeitslebens verstanden hast. Du wirst es weiter bringen als viele Andere!
@Oli:
- Wenn du von einer Erleichterung des Studiums spricht wäre es angebracht, das Bafoeg zu kritisieren. Ich denke, dass es bei einem Stipendium eher um eine BEGABTENförderung geht, als um eine Sozialleistung. Grundsätzlich hast du ja Recht mit dem was du sagst, aber die Lösung des Problems (zu wenig Studierende) liegt nicht in Stipendien, sondern im Bafoeg. Ein Stipendium hat eine ganz andere Aufgabe.
@schwarz-gelb-reich:
- stimmt, Noten sollten keine Rolle spielen. genauso wie es unwichtig ist, ob der Autobauer wirklich Autos bauen kann, ob ein Arzt wirklich operieren kann oder der Finanzbeamte wirklich deine Steuern korrekt ausrechnen kann. Am besten wäre doch Folgendes: Nach dem Abitur sagt jeder kurz was er werden will, und dann lernt man das einfach "learning by doing" Klappt bestimmt auch, Sowas wie Noten ist da auch völlig überflüssig!
Viele Grüße ins Phantasieland aus der Realität ;-)
12. Oli (Studis Online) kommentierte am 29.10.2009 um 08:45:35 Uhr
@Rudelos
Dass am BAföG so manches zu kritisieren ist, ist gar keine Frage. Dazu gibt es hier auf den Seiten auch einiges zu lesen.
Einig scheinen sich ja die meisten zu sein, dass BAföG auch notwendig ist. Wenn nun aber das Geld begrenzt ist (erst recht durch die geplanten Steuerentlastungen ...), bedeutet jede Mehrausgabe für eine Sache, dass eigentlich anderswo gespart werden müsste. Gerade auch innerhalb eines Ressorts. Da ist dann schon die Frage, ob es gerade jetzt sinnvoll ist, die "Begabtenförderung" so stark auszubauen. Denn wo soll dann auch noch Geld für Anpassungen beim BAföG herkommen.
Und ich kann mich nur immer wiederholen: Ich verstehe nicht, wieso sich Leistung mehrfach auszahlen muss. Reicht es nicht, dass eine gute Studienleistung mit großer Wahrscheinlichkeit einem gut(bezahlt)en Job belohnt wird?
13. Renate kommentierte am 29.10.2009 um 20:54:57 Uhr
Wie üblich nicht zu Ende gedacht
Ich plage mich seit Jahren damit herum, die ganzen Gesetze miteinander in Einklang zu bringen, also fangen wir hier mit den Schwachpunkten an:
1. Krankenversicherung - da würde das Stipendium angerechnet
2. Unterhalt - da würde das Stipendium angerechnet
3. Kindergeld - da würde das Stipendium angerechnet
4. Wohngeld - da würde das Stipendium angerechnet
5. ALG II - da würde das Stipendium erst recht angerechnet und zwar u.U. als Einkommensüberhang für die Bedarfsgemeinschaft
Nehmen wir den Fall des Studenten mit Frau/Freundin und Kleinkind
- Gebühren für KiTa nach Gesamteinkommen, keine Befreiung mehr
- kein Sozialgeld fürs Kind, Papa kann es ja mit seinem leistungsabhängigen Stipendium füttern
Nehmen wir den Studenten in BG mit seinen Eltern
- keinen Zuschlag mehr zu den ungedeckten Kosten der Unterkunft
- Kindergeld wird bei den Eltern als Einkommen angerechnet
14. adeline kommentierte am 30.10.2009 um 21:36:46 Uhr
@Renate
Diese kleinen Überschneidungen sind ja kein Problem, da statistisch gesehen solche Menschen eh kein Stipendium bekommen :( die dann doch Betroffenen haben einfach Pech, aber egal, die will man wahrscheinlich eh nicht an Hochschulen..
15. itti-studi kommentierte am 04.11.2009 um 18:14:35 Uhr
Wieso ein Satz für 10%?
Also erstmal,
ich studiere, bekomme BaföG+Elternunterhalt nach BaföG-Berechnung und habe nebenbei 2 Studentenjobs, um mir meine Freizeit finanzieren zu können.
Ich bin nicht dafür, für 10% 300€ festzusetzen.
Ein Stipendium ist keine Sozialleistung, finde ich auch. BaföG reicht für den Grundbedarf völlig aus. Ich habe 4 Jahre nur von Schülerbafög gelebt, was da noch weniger war als Studentenbafög und kam damit aus. Klar, BaföG finanziert kein Party-Studentenleben und ich habe zum Glück nicht viele Ausgaben für Bücher, da ich großteils E-Books nutze, aber zum normalen studieren reicht es völlig aus. Wer mehr will, kann arbeiten gehen oder, wenn es sie dann gibt, über Leistungen an ein Stipendium kommen.
Ich wäre für eine Staffelung der Stipendien. So kämen mehr in den Genuss einer finanziellen Unterstützung und es wäre ein Anreiz sich noch stärker zu engagieren, um mehr zu bekommen.
300€ für 10% der Studenten ist verdammt viel Geld, das ist wohl wahr. Deshalb würde ich immer dem BaföG Priorität geben, damit die Grundsicherung gewährleistet ist. Denn es gibt zu wenig Studenten, vor allem in den Ingenieurwissenschaften. (Mein Studiengang hat im 3. Semester nur noch 25 Studenten.)
Fächerabhängige Förderung finde ich gut. Wenn ein Studiengang überlaufen ist, muss dieser Run nicht noch gefördert werden durch Stipendien. Man sollte eher nach dem wirtschaftlichen Bedarf entscheiden und in diesen Fächern Anreize schaffen.
Fazit:
Ich bin für stabiles, angemessenes BaföG als Grundsicherung und für gestaffelte, leistungsabhängige Stipendien als Ansporn und Belohnung für Engagement.
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