Zwischenbilanz
23.300 Studierende nutzen KfW-Studienkredit
Das werden die meisten Studierenden anders sehen: Sicherlich wäre vielen lieber, wenn sie mehr (oder überhaupt) BAföG bekommen könnten. Das hätte den großen Vorteil, dass die damit verbundene Verschuldung deutlich geringer als bei einem Kredit bleiben würde. Ebenso wäre in vielen Bundesländern einiges Geld erst gar nicht nötig, wäre allgemein auf Studiengebühren verzichtet worden.
Darauf weist denn auch der hochschulpolitische Sprecher von Bündnis 90/DIE GRÜNEN, Kai Gehring hin: "Der KfW-Studienkredit löst die aktuellen Probleme der Studierenden nicht. Stattdessen müssen Bund und Länder endlich die BAföG-Sätze erhöhen, Finanzierungslücken schließen und auf die Einführung von Studiengebühren verzichten."
Nele Hirsch, die entsprechende Position bei der Fraktion Die Linke bekleidet, drückt die Problematik drastischer aus: "23.000 Studierende haben bei der KfW einen Kredit aufgenommen, um ihr Studium finanzieren zu können. Diese Zahl ist ein Armutszeugnis für die Bildungspolitik der großen Koalition. (...) Schon beim Einstieg ins Studium sehen sich zigtausende Studierende nicht in der Lage, ihre Hochschulbildung aus eigenen Mitteln oder mit Hilfe öffentlicher Ausbildungsförderung zu finanzieren."
Bedarf nach Krediten auch wegen anhaltender BAföG-Nullrunden – 2008 könnte es erstmals wieder mehr BAföG geben
Die letzte echte Erhöhung der BAföG-Beträge gab es 2001, 2002 wurde im Rahmen der Anpassung an den Euro lediglich auf volle Euros aufgerundet. Dieses Jahr gibt es zwar eine BAföG-Novelle, man kann aller Voraussicht aber von einer Nullrunde sprechen. Alle geplanten Verbesserungen sollen kostenneutral sein oder durch Verschlechterungen an anderer Stelle gegenfinanziert werden.
Immerhin scheint es in der Koalition inzwischen aber Einigkeit darüber zu geben, dass das BAföG 2008 wieder steigen soll. Ob die Erhöhung allerdings ausreichend sein wird – darauf darf man gespannt sein. Der BAföG-Beirat, in dem auch Studierende und VertreterInnen der Studentenwerke dabei sind, empfiehlt als Ausgleich für die seit 6 Jahren ausbleibenden Erhöhungen schon dieses Jahr 10% Aufschlag auf den Bedarf und ähnliche Erhöhungen bei den Freibeträgen.
Kommentar: Studienkredite für die Nischen
Die Anbieter von Studienkrediten (neben der KfW gibt es ja noch so einige – siehe z.B. hier) hätten vermutlich nichts gegen eine weitere Ausdünnung oder gar die Abschaffung des BAföGs. Denn dann wären zwangsläufig immer mehr Studierende auf Kredite angewiesen. Mehr Kredite bedeuten aber – außer die Ausfälle häufen sich zu sehr – höhere Einnahmen.
Für den/die StudentIn sind Kredite ein Wagnis. Wer sein komplettes Studium (Bachelor + Master) ausschließlich auf Kreditbasis finanzieren muss, muss Schulden anhäufen, die je nach Zinsentwicklung auch über 100.000 Euro betragen können. Ob sich das "rentiert", weil später besser verdient wird, das bleibt offen. Ganz davon abgesehen, dass eine reine Orientierung der Studienwahl nach monetären Kriterien auch bedenklich ist. Vor allem schrecken Schulden vor allem (potentielle) Studierende ab, die aus weniger vermögenden Haushalten kommen. Aus all diesen Gründen sollte der Staat weiterhin für ein möglichst gut ausgestattetes BAföG sorgen.
Solange aber weder das Unterhaltsrecht (so manche dürften auch deswegen einen Studienkredit aufnehmen, weil sie ihre Eltern nicht belasten wollen) noch das BAföG deutlich verändert werden, bleiben für Studienkredite durchaus Nischen. Zwar wäre ein besseres, möglichst grundsätzlich elternunabhängiges BAföG die sozial- und gesellschaftspolitisch beste Lösung. Solange dies aber nicht der Fall ist, sind Kredite für manche immer noch besser, als gar keine Finanzierungsmöglichkeit.
Weiteres zum Thema, Quellen
- Informationen zu den wichtigsten Studienkrediten von Studis Online »
- 23.300 Studierende in Deutschland nutzen den KfW-Studienkredit (Pressemitteilung der KfW, 02.05.2007) »
- KfW-Studienkredite - kein Ersatz für BAföG-Erhöhung (Pressemitteilung von Kai Gehring, MdB und hochschulpolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen) »
- Studium wird zur Schuldenfalle (Pressemitteilung von Nele Hirsch, MdB und hochschulpolitische Sprecherin Die Linke) »
KfW-Studienkredit, Bildungskredit und weitere Angebote
Bei der KfW treten immer am 1. April und 1. Oktober neue Zinssätze der Kreditangebote für Studierende in Kraft. Die aktuelle Anpassung bringt niedrigere Zinsen von nun (jeweils nominal) 2,10% für den Bildungskredit und das BAföG-Bankdarlehen und 3,69% für den KfW-Studienkredit (alle anderen Angebote und Entwicklung in den letzten Jahren siehe im Artikel).
Sind viele Studienkredite ein Erfolg?
Seit Sommersemester 2006 gibt es den KfW-Studienkredit. Dies hat die KfW zum Anlass genommen, eine Evaluation ihres Kreditangebotes durchführen zu lassen. Aus Sicht der KfW sind fast 95.000 ausgegebene Kredite ein Erfolg. Allerdings kann man auch fragen, warum denn BAföG und Unterhalt der Eltern offenbar immer mehr Studierenden nicht reichen.
Papiertiger Zivilklausel
Ist die "Zivilklausel" der Universität Bremen nur Etikettenschwindel? Möglicherweise hat die Hochschule gleich mehrfach gegen die Selbstverpflichtung verstoßen, nicht für militärische Zwecke zu forschen. Das Rektorat will prüfen lassen, ob in der Vergangenheit über Umwege an einem Projekt für das deutsche Verteidigungsministerium gearbeitet wurde. Für Studierendenvertreter liegt die Sache auf der Hand, für sie ist es an der Zeit für eine gesetzliche Regelung.
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